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Heilige Haine
Sofern sie gerade nicht durch die aventurischen Lande ziehen,
leben die Druiden vorzugsweise in der Nähe eines Heiligen Haines
und huldigen ihrer Religion. Während man mit dem Ausdruck 'Heiliger Hain'
normalerweise eine Ansammlung von Bäumen innerhalb eines Waldes verbindet,
ist hier damit jeder heilige Ort gemeint, an dem Druiden der Natur huldigen.
Alle Heiligen Haine sind Orte großer natürlicher Schönheit und zuweilen auch
magischer Macht. Gebiete mit kontinuierlicher Geschichte druidischer
Religion bringen gelegentlich infolge ihres andauernden Kontaktes mit
druidischer Magie und deren Riten wundersame Kräfte hervor.
Manchmal teilen sich mehrere Druiden einen Heiligen Hain. Durch diese
Übereinkunft können sie abwechselnd auf Reisen gehen, während stets
jemand zurückbleibt, der sich um den Hain kümmern und ihn beschützen
kann. Druiden, die allein einen Heiligen Hain bewohnen, müssen andere
Wege des Schutzes für ihren Hain finden. Auch hier werden jedoch oft
andere Druiden mit dem Schutz des Hains beauftragt.
Bestandteile eines Hains
In fast allen Fällen besteht die vordringlichste Anforderung darin,
daß der Hain ein Ort natürlicher Pracht ist. Diese Pracht kann
genauso in der nüchternen Imposanz eines Steinkreises liegen, dazu
später mehr, wie auch in der gartenartigen Schönheit einer
Waldlichtung liegen. Abgesehen von dem zu erwartenden Gras, dem
Unterholz, den Büschen, Bäumen oder anderen lokalen Bestandteilen,
sind allen Hainen gewisse Elemente gemein.
ad 1)
Klare Grenzen
Die Grenzmarkierungen eines heiligen Haines sind oft das Ergebnis der
Bemühungen von Generationen von Druiden. Beispielsweise können die
Bäume in einem Waldhain einen konzentrischen Kreis bilden oder sie
unterscheiden sich in besonderer Weise von den Bäumen des übrigen
Waldes. Es seien hier genannt: ein Eichenkreis im Birkenwald oder
miteinander verwundene Zweige, Torbögen gleich.
ad 2)
Freie Fläche
In der Mitte des Hains liegt sehr häufig ein ruhiger, der
Meditation und dem Tanze dienender Ort, zumeist von Moos oder weichem
Gras bedeckt.
ad 3)
Wasser
Eine Quelle, ein Brunnen, ein Bach oder ein Teich (oft von einem
kleinen Wasserfall gespeist) versorgt den heiligen Hain mit reinem,
trinkbaren Wasser. Manche Druiden ziehen stille Wasser einer Quelle
oder einem Bach vor, da ein stehendes Wasser nicht so sehr die
Konzentration während der Meditation stört und sich auch für
Weissagungen einsetzen läßt.
ad 4)
Mittelpunkt
In jedem Hain gibt es einen beherrschenden Punkt, der als Altar
oder als Brennpunkt der Verehrung der Natur dient. Dies kann eine
Quelle sein, ein einzelner Baum, ein Menhir oder Felsblock aber auch
ein immer wiederkehrender Kreis von Pilzen sei hier Beispielhaft
erwähnt.
ad 5)
Tiere
In allen Heiligen Hainen werden die natürlichen Bewohner
besonders gehegt und beschützt. Ein Heiliger Hain ohne natürliche,
tierische Bewohner gilt als verflucht ('von der Natur verlassen'
heißt es in den Überlieferungen) und muß verlassen werden.
ad 6)
Wohnstätte
Die Druiden leben zwar nur sehr selten im Hain selbst, ihre
Wohnstätten sind jedoch nie sehr weit vom Heiligen Hain entfernt.
Dazu besitzt der Druide zumeist einen Gemüse- und einen Kräutergarten
und hält sich oft auch Haustiere.
Obhut, Wächter und Hüter
Kein Druide würde den Anspruch erheben, ihm 'gehöre' der Hain,
aber sie nehmen ihre Verantwortung für 'ihren' Hain durchaus sehr
ernst. Der einem Hain zugewiesene Druide führt normalerweise den
Titel Hirte, Wächter oder Hüter. Die Obhut über einen Heiligen Hain
ist traditionell: Jeder Hüter sucht seinen Nachfolger selber aus,
bildet ihn in vielen Fällen sogar selbst aus. Aufgabe des Hüters ist
die Beschützung des Hains gegen jedweden Feind. Viele heiligen Haine
sind daher nahezu unauffindbar für den Uneingeweihten, perfekt
getarnt und verfügen über geheime Zugänge. Auch die regelmäßige
Pflege des Hains gehört zu den Aufgaben des Hüters. Zu dieser
alltäglichen Arbeit gehört die Hege der Pflanzen und Tiere des Hains,
mit ihnen zu reden und sich um Krankheiten oder Parasiten zu kümmern,
die auftreten könnten. Einziges 'Gesetz' innerhalb des Hains ist es,
den Hain in all seiner natürlichen Pracht so zu verlassen, wie man
ihn betreten hat (wie gesagt, falls der Hüter einem Besucher
überhaupt Einlaß gewährt). Bei einigen Hainen ist deren Präsenz
jedoch so offensichtlich, daß ein Kontakt mit Außenstehenden nicht
zu vermeiden ist. In diesen Fällen (als Beispiel seien hier
Menhir-Kreise genannt) wird der Hüter großen Wert darauf legen, daß
das 'Gesetz' des Haines eingehalten wird.
Menhire
Besonderer Bestandteil Heiliger Haine oder als solche selbst
Menhire sind große, geformte Steine, die sich in beachtliche Höhen
vom Boden erheben. In manchen Fällen qualifiziert ihr Vorhandensein
in einem Wald, in einem öden Moor oder auf einem einsamen Gipfel den
Ort automatisch als heiliger Hain, auch wenn ihm die natürliche
Schönheit ansonsten fehlt. Die Menhire können von Druiden errichtet
worden sein, oder sind Zeichen einer alten, längst vergangenen
Zivilisation aus grauer Vorzeit.
Manchmal stehen diese Steine zwar auch allein, aber häufiger bilden
sie bestimmte Anordnungen. Ein einzelner Menhir wird Megalith genannt,
sei es eine geformte Säule, spitz zulaufend auch als Obelisk
bezeichnet, oder eine Platte, liegend als Tafel, stehend als
Monolith benannt. Zwei aufrechte, geformte Steine, auf denen ein
dritter Stein quer darüber liegt, wird als Trilithion bezeichnet.
Häufig bilden mehrere Megalithen oder Trilithione Muster, für
gewöhnlich Kreise oder pferdehufartige Gebilde. Einzelne Steine
können 5- bis 25-tausend Stein wiegen und 3 bis 10 Schritt hoch
sein. Der Bau eines einzelnen Zirkels kann ganze Generationen
währen, sofern nicht mächtige Elementarmagie oder die Elemente selbst
(bedenket Collegae, manche Druiden sind Herren mächtiger
Elementar-Erscheinungen) bei der Erbauung zu Hilfe genommen wird.
Die Steine dienen vielfach als astronomisches Recheninstrument, wobei
ihre Positionen Finsternisse, Sonnenwenden und andere Sonnen- oder
Mondereignisse wie z.B. Tageszeit oder Mondphase markieren, deren
exakter Zeitpunkt aus religiösen oder rituellen Gründen wichtig ist.
Häufig dienen sie auch als Monument oder gar Grabstein einer
historischen Persönlichkeit. Im wesentlichen dienen sie aber als
Focus der Meditation und der Prophezeiung. Besonders mächtige Druiden
sollen gar die Möglichkeit haben, einzelnen Menhiren Leben
einzuhauchen und sie zu befehligen. Auch wird die Geschichte der
sprechenden Steine erzählt. Jeder befähigte Druide soll demnach die
Fähigkeit besitzen dem Menhir eine Botschaft zu erzählen. Dieser
tauscht diese Botschaft mit einem anderem Menhir aus, auch weit
entfernt, und der dort anwesende Druide könne auf diesem Wege
ersteren so hören, als stünde er neben ihm. Was davon zu halten ist,
werte Collegae stelle ich ihnen selbst anheim. Für unmöglich indes
halte ich es nicht.
Zuletzt sei auch noch die Geschichte der sogenannten 'Pforten'
angeführt. Einige Druiden sollen auf diesem Wege, einem Transversalis
gleich, aber ohne den Einsatz arcaner Kraft, von Pforte zu Pforte
reisen können. Vielen Trilithionen wird diese Pforteneigenschaft
zugeschrieben. Durch eine solche bin ich einmal selbst
durchgeschritten. Natürlich ist rein gar nichts passiert, aber das
könnte natürlich auch daran liegen, daß ich kein Druide bin...
Werte Collegae,
ich bin mir der Unvollständigkeit meiner Studien durchaus bewußt,
aber das liegt im wesentlichen an der Verschlossenheit der Druiden
selbst, die gerade einem Magier nur äußerst ungern Auskunft über ihre
geheimen Riten und Gebräuche geben. Wenn also einer von Ihnen, werte
Collegae weitere Hinweise geben könnten, oder gar ein freundschaftlich
gesonnener Druide weitere Auskünfte geben mag, so will ich diese gern
entgegennehmen.
Ihr Albion Tintagel,
Dragomagicae et Magotheoreticus,
Magus extraordinarius et convocatus secundis facultas magica theoretica Academia Arcomagica Scholaque Arcania
Puniniensis,
Magus extraordinarius Academia Somnom et
convocatus primus Curriculum Salamandris
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