ACADEMIA LIMBOLOGICA publicat
Opus veritatis scientiæque
17. Firun im 30. Götterlauf nach Hal
LXXIV. Ausgabe


Academica Magica Mutanda Forumque Metamorphoses Cuslicienses
Die Zauberei der Hexen und Druiden
von
M.M. Gulvanio Damotil

Getreulicher Bericht aus der Halle der Metamorphosen
(diese besuchen...)

Sobald ihr den Saal betreten habt, wird euch von einem Ordnungshüter, wohl ein Adeptus der Academie, ein Platz in der vordersten Bestuhlungsreihe zugewiesen, welchen ihr sogleich voller Spannung einnehmt, da ihr vernommen habt, dass jener Magister, welcher die heutige Vorlesung zu halten gedenkt, nicht eben als ein Freund druidischer oder gar hexischer Magie bekannt ist. Während ihr noch in Gedanken versunken sinniert, welchen Verlauf der Vortrag wohl nehmen mag, reißt euch ein klares "Der Allweisen Herrin HESinde zum Gruße, werte Damen und Herren" jäh aus euren Überlegungen... Magister Gulvanio Damotil lässt von seinem Pulte aus, an welches er nun herangetreten ist, den Blick über die Menge schweifen, mehrmals scheint eben dieser Blick auf euch zu haften, als er endlich das Wort ergreift: "Zunächst zur strukturellen Beschaffenheit meines Vortrages.... primo werde ich mich bemühen, ihnen, werte Collegae und Scholaren, die Wirkungen satuarischen Zauberwerks auf Seele und Geist treffend nahezubringen, secundo werde ich unter selbigen Gesichtspunkten ebenso druidische Rituale betrachten, tertio wird ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Fragen an mich zu richten. Nun, somit werde ich beginnen...

So ich, wie angesprochen, die Wirkungsweise hexischer und druidischer Magie erläutern will, muss zunächst als bekannt vorausgesetzt werden, dass jegliche Lästerung gegen Einen der Zwölfe einen Frevel wider alle Zwölfgötter darstellt, eine blasphemische Aussage aber gar Zweien oder Dreien gegenüber diesen Frevel noch um ein Vielfaches verstärkt. Da ein Magus, welcher den ehrenwerten Weg der Rechten Hand beschreitet, die Hilfe und Zuneigung der Götter benötigt, ebenso wie jedes andere Geschöpf, mag es nicht verwundern, dass eine solche Handlungsweise vom Bunde des Weißen Pentagramms gemeinhin als schädlich angesehen wird. Die Auswirkungen auf Seele und Geist wären somit mit dem Begriff "schädlich" zu umschreiben. Im Folgenden will ich den Beweis erbringen, dass jene Rituale und Gesten, welcher sich die "Töchter Satuarias", wie sie sich selbst zu nennen pflegen, tatsächlich fast durchweg eine blasphemische Aussage von höchster Brisanz beinhalten. Schon im Allgemeinen ist zu konstatieren, dass sich die Verheimlichung ihrer arkanen Gabe, wie es bei Hexen Gang und Gebe zu sein scheint, eine erhebliche Lästerung des Herren PRAios bedeuten, die Herrin RAHja besudeln sie, indem sie ein Ritual anwenden, "Levthans Feuer" geheißen, welches geeignet ist, dem jeweiligen Liebespartner die nächtliche Erholung zu rauben und für sich zu nutzen... Berichte aus erster Hand bestätigen mir dies (leichtes Gelächter aus den Reihen der Studiosi). Wenn wir den erheblichen Jähzorn der gemeinen Hexe bedenken, mag es uns als wahrlich logisch erscheinen, dass sie jede Provokation mit einem schändlichen Fluch bedenken... im Übrigen stellen jene Flüche ohnehin einen Frevel wider ALLE Zwölfe dar, insbesondere wider die Leuin, welche bekanntlich Heimlichkeit verabscheut.

Tausend weitere Beispiele vermag ich zu nennen, nehmen wir die unzähligen Beherrschungsformeln, die jene Dämonenknechte zu Sprechen in der Lage sind und die dem Opfer sicherlich nicht zum Wohle gereichen... wobei wir den Bogen zu druidischem Machwerk gespannt hätten. Für jene Diener des Namenlosen mag letztere Anschuldigung noch in viel stärkerem Maße Geltung besitzen, selbstverständlich können auch alle weiteren Vorwürfe getrost übertragen werden, schließlich sind auch Druiden in der Regel Personen von äußerster Heimlichkeit und ihre Ritualtechniken wird jeder neutrale Beobachter ohnehin als Fluch abtun. Abschließend bleibt also zu sagen, dass die Auswirkungen hexischen und druidischen Zauberwerks auf Seele und Geist nahezu gänzlich als "schädlich" zu bezeichnen sind, neben dem satuarischen Spruch "Verwandlung Beenden" mag es nur noch wenige Ausnahmen geben, eventuell die Formel "Empathie und Sechster Sinn", wenn auch nur in der Hand eines Adeptus des Rechten Wegs, druidisches Werk sollte keinerlei Anwendung finden, sieht man von der gildenmagischen Thesis des "Beherrschung Brechens" ab. Nun, ad finis stelle ich fest, dass all jene Personen, welche Hexen oder Druiden sind oder sich über die Maßen mit solcherlei Zauberei beschäftigen, einzig durch die reinigende Kraft des heiligen Feuers für die Zwölfe errettet werden können (ein Raunen erfüllt den Saal). Mein Vortag ist somit beendet, gibt es unbeantwortete Fragen?" – Ein Dutzend Meldungen – "Ja, bitte, der Collega in der zweiten Reihe, ganz rechts... ja, ihr...!" "Magister, habt ihr soeben Verbrennungen von, zugegeben, solcherlei Blasphemiekern befürworten?" "Nein... meine Aussage bezog sich einzig auf eine Verbrennung nach dem Tode... Verbrennungen bei lebendigem Leibe sind wahrhaft barbarisch zu nennen... geradezu al'anfanisch...!" – Schlagartig senken sich die Finger, nur die Meldungen eines Studiosus bleibt zurück – "Ja, Claudius!" "Meister, sagt, habt ihr niemals eine götterfürchtige Hexe erblickt?" "Nein, niemals, und ich hege auch keinerlei Hoffnungen mehr in diese Richtung." – Keine Meldungen mehr im Saale – "Wenn es keine weiteren Fragen gibt, gilt die Vorlesung als beendet... gut, Die Herrin HESinde mit euch..."

Während der Magister würdevoll aus dem Saal schreitet, halten sich Applaus und Entsetzen die Waage, so scheint es euch jedenfalls, und auch ihr kontrolliert euren Geist, ob ihr den Worten des Redners Zustimmung schenken könnt...

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Für eine weitere Vertiefung in das Gebiet der hexischen ('satuarischen') Magie sei ganz besonders die Lektüre der umfangreichen Abhandlung "De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I" von Rukus Ambrosius und des darauffolgenden Disputes zwischen dem Autor und Thundar Hurlemanoff empfohlen. Nachzuschlagen in Opus no. 10 ff.


Weiterführende magietheoretische Beobachtungen von Kindern, welche durch eine Schwangerschaft während der Wirkung einer durch die Formel Adler, Wolf und Hammerhai verursachten Verwandlung in eine Silberlöwin durch die verehrte Collega Kiara Delon entstanden sind.

Die bisherigen Berichte erschienen in Opus no. 21, 47, 51, 73.

Ein Ausbruch der Kraft!
Sollten sich die vielen Monde der Beobachtung etwa doch noch ausgezahlt haben? Anders als der werte Magister Friedensucher muss ich mir eingestehen, dass meine Moral nach der langen Zeit, in welcher nichts aufregendes passierte doch etwas gelitten hatte.
Doch nun bin ich wieder frohen Mutes und sehe der Zukunft positiv entgegen!

Es geschah am achten Tage im Travia, als es passierte. Eine kleine Balgerei zwischen den beiden männlichen Mischlingskindern. Wie dem geneigten Leser vielleicht bekannt sein dürfte, ist das letztgeborene körperlich recht schwächlich und war daher von Anfang an seinem weitaus stärkeren Bruder unterlegen. Doch gerade als dieser ihm stark zusetzte entwich ein tierisches Grollen der Kehle des jüngeren und kurz darauf fing er an sich zu verwandeln!

In nur wenigen Augenblicken, viel schneller als bei dem uns bekannten Zauber, verwandelte er sich in einen ausgewachsenen Silberlöwen . Sein Bruder warf sich daraufhin sofort auf den Boden und fing ganz herzzerreißend an zu Maunzen. Nur einige Sekunden später setzte auch schon wieder die Rückverwandlung ein.
Sowohl der ebenfalls anwesende Magister Friedensucher, als auch meine Person sind der Meinung, dass dieses Schauspiel erst der Anfang war und wir in Zukunft wohl noch mehr von dem kleinen Mischlingskind erwarten können.
Wir hegen natürlich die Hoffnung, das die Kinder in der Akademie verbleiben, auf das Sie hesindegefällig erzogen werden und lernen ihre Kraft gezielt einzusetzen.

Baburin im Travia 30 Hal
Adeptus Minor Travidan Fuxfell

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Arkania

Dies also war es: der Platz, den Belal für den Bau auserkoren hatte. Wunderbar, perfekt! Eine große Wiese direkt am steinigen Ufer des Rathil, ein kleines Wäldchen in seiner Mitte und in einigen hundert Schritt Entfernung waren einige kleinere Hügel. Weiter hinten begann der Wald, davor ragte eine große Gruppe Felsen aus dem Boden. Drakmore ritt alles ab. Ja, das würde die Zukunft werden, auf diesem Land werden Träume wahr! In einigen Tagen würden die befreiten Sklaven zusammen mit Belal eintreffen und die Arbeiten konnten beginnen. 
Belal hatte auch bereits einen großen Block schwarzen Granits beim Baron von Schwarzenstein, dessen Baronie am anderen Rathilufer lag, gekauft, aus dem das Gründungsdenkmal gefertigt werden sollte. Belal dachte immer direkt an großspurige Formsachen. Drakmore schlug ein Lager am Ufer des Rathil auf und begann das Gelände zu durchwandern. Dabei fertigte er Karten der einzelnen Gebiete an und machte immer wieder Notizen und Pläne.

Na, das war aber ein prächtiger Haufen! Drakmore war etwas schockiert über den Zustand der ersten "Bürger". Er fragte sich, wie diese jemals Sklavendienste für namenlose Kultisten leisten konnten. Er blickte sich um und entdeckte Belal in dem Zug. Dieser ritt auf Rohal, seinem alten Shadif. Drakmore konnte ein Lächeln nicht verbergen. Ein Magier in einer rotschwarzen Robe auf einem stolzen schwarzen Pferd inmitten eines Haufens von heruntergekommenen Leuten. Belal blickte zu ihm hinüber und beschleunigte die Schritte des Pferdes. Nach ein paar Minuten war er heran: "Drakmore, Hesinde zum Gruße, mein guter Freund! Wie ich sehe, warst du tüchtig in meiner Abwesenheit." Drakmore blickte über das große flache Feld. An einigen Stellen ragten unterschiedlich geformte Holzstücke aus dem Boden, ein ein Schritt tiefer Graben umfasste ein bestimmtes Gebiet von den Hügeln abwärts zum Ufer des Rathil. Der Graben schien natürlich zu sein, denn kein bisschen Erde war zu sehen, das grüne Gras war nirgendwo durchbrochen. Es schien, als hätte sich die Erde darunter verformt. "In der Tat, Belal, das habe ich. Wie war deine Reise?" "Anstrengend. Aber erfolgreich: Wir sind hier! Die Leute - ich hatte dir ja schon berichtet, dass es sich um ehemalige Sklaven handelt, die Details berichte ich dir später - sind zwar alle etwas heruntergekommen, aber reich sind sie." Drakmore runzelte die Stirn. Belal grinste ein wenig, als seine Aussage auf Unverständnis stieß. "Wir waren so frei den nicht unbeträchtlichen Goldschatz der Sklavenhalter mitgehen zu lassen. Siehst du die drei Wagen dahinten?" Er deutete auf drei Planwagen, die in der Mitte des Trecks fuhren. "Sie sind voll mit Gold. Das dürfte unseren Bedarf fürs erste decken, oder?" Drakmore schien erfreut. "Aber ja doch. Wir sollten es sofort für Werkzeuge und solche Dinge ausgeben. - Wie hast du sie dazu gebracht sich uns anzuschließen? Du hast doch gesagt, sie arbeiten in einer Goldmine. Warum sind sie nicht dort geblieben, wenn ihre Herren vertrieben waren. Und warum haben sie sich nicht jeder irgendwo ein Häuschen gekauft?" Belal schient an einem wunden Punkt getroffen zu sein. "Nun, das erkläre ich dir später. Doch nun.! .. wollen wir uns mal nach einem ersten Lagerplatz umsehen." Mit diesen Worten ritt er zurück zur Karawane der "Bürger".

Drakmore war mit dem Fortschritt der Arbeiten sehr zufrieden. Die ehemaligen Sklaven schlugen Holz und errichteten Häuser. Einige hatten sich auch schon im Steinbruch beschäftigt - da sie ja über Jahre Bergwerkssklaven gewesen waren, kannten sie sich mit sowas aus. Belal hatte zum Glück ein paar zwergische Architekten ausfindig machen können. Sie waren bei der Ausführung der Bauarbeiten behilflich. Er und Belal hatten beschlossen, dass nur Fachwerkhäuser errichtet werden sollten, um die Brandgefahr so gering wie möglich zu halten. Das hatte zwar einiges Murren bei den Sklaven ausgelöst, aber die Bedenken waren zerstreut worden. Irgendwie sah alles ein wenig skurril aus: Ein kleiner Graben umgab ein riesiges Gebiet, kleine bunte Pfähle steckten überall im Boden, aber nur in einer kleinen Ecke tummelten sich die ersten Gerüste. Alles sehr auf Zukunft ausgelegt, aber na ja. Sobald mehr Leute für die Sache gewonnen werden würden, könnte man auch noch mehr Unternehmungen angehen, aber im Moment - Belal und er mussten mit einem kleinen Zimmer inmitten der Häuser der Bürger vorlieb nehmen.

"Ah, Belal, endlich aufgewacht! Nun erheb dich aus deinen Federn. Die Elemente mögen es nicht, wenn man sie warten lässt! Ein weiterer Straßenzug muss begonnen werden." Belal ließ ein genervtes Grummeln unter der Bettdecke hören. Drakmore wusste, dass es noch ein paar Minuten dauern würde, bis mit dem Ritual begonnen werden konnte. Nichtsdestotrotz begab er sich zu dem Streifen Rasen, aus dem in ein paar Stunden eine 5 Schritt breite Straße aus ein Spann tiefem, reinem Granit mit Bürgersteigen und Abwasserrinnen an den Seiten werden sollte. Er freute sich schon darauf in Bälde ihr Werk bewundern zu können: Er fand es immer wieder erstaunlich, wie die Magie das, was Handwerker mühselig in Tagen knochenharter Arbeit zustande brachten, mühelos in ein paar Stunden hinbekam. Die Vorraussetzung für beide war jedoch dieselbe: Große Mengen Stein in der Nähe. Aber an Gestein gab es hier, direkt am Rande der Roten Sichel, nun wirklich keinen Mangel - wenngleich das Gebirge am anderen Ufer des Rathil aufragte, dort wo leider schon das Herzogtum Weiden und mit ihm das Mittelreich begann.

Eine halbe Stunde später waren sie versammelt: Belal, die Elementaristin Nahira und Kedyo Hesindian Puniensis, ein Magister aus Punin. Die beiden Letzteren hatten sich vor ein paar Tagen um die Bürgerschaft beworben und sie natürlich auch erhalten. Diese drei Personen sollten nun mit Hilfe ihrer magischen Kräfte eine Straße erschaffen. Drakmore gesellte sich dazu, um das Schauspiel zu beobachten. Bürger hatten schon einige große Steinhaufen in der Nähe zusammengetragen, genug, um eine Straße damit zu pflastern.
Belal, Nahira und Kedyo begannen nun mit Kreide Hexagramme auf den Boden zu zeichnen und legten ein paar größere Steinbrocken in deren Zentren. Dann stellte sich jeder der drei vor eines der Hexagramme und konzentrierte sich. Dann riefen sie: "Dschinn des Erzes, eil herbei! Diene mir und sei dann frei!" Dann schlossen sie die Augen. Man sah förmlich, wie ihre Geister sich in die Essenz des Gesteins vor ihnen versenkten. Da alle drei hervorragende Dschinnenbeschwörer waren - natürlich auf Erz spezialisiert - konnte man damit rechnen, dass bald etwas geschehen würde. Und in der Tat: Nach etwa einer halben Stunde öffneten die drei Beschwörer fast zeitgleich ihre Augen. Nahira sagte leise: "Sie kommen!" In das Gestein in den Hexagrammen kam Bewegung. Es verformte sich, schien zu fließen. Humanoide Gestalten formten sich in den Hexagrammen. Ja, das waren sie: Erzdschinne! Sie sprachen mit einer Stimme, die wie ein Erdbeben donnerte: "Was wünscht Ihr, Sterbliche?"
Belal, Nahira und Kedyo teilten den Dschinnen im Chor ihre Wünsche mit. Die Dschinne sollten aus dem herbeigeschafften Gestein eine Straße formen. Die Dschinne nickten und sagten: "So sei es!"
Dann verschwanden sie urplötzlich. In das aufgeschichtete Gestein kam nun ebenfalls fließende Bewegung. Langsam "kroch" es auf das markierte Straßenbett zu. In ein paar Stunden würde dort eine wunderbare Straße sein...

In den darauffolgenden Tagen gingen die Bauarbeiten weiter gut voran. Mit Hilfe der Erzdschinne wuchsen im wahrsten Sinne des Wortes Mauern in die Höhe, und auch die menschlichen Arbeiter waren gut beschäftigt. Es wurde auch mit dem Bau der drei wichtigsten Gebäude der Stadt begonnen: Die Zitadelle, in der Belal seinen Wohnsitz nehmen würde, das Ratsgebäude, in welchem der Stadtrat tagen sollte, und das Gebäude der Magiergilde.
Während dieser Tage debattierten Belal, ich sowie einige gebildete oder sonst wie einflussreiche Bürger über die Regierungsform, die Arkania erhalten sollte. Wir sprachen uns gegen eine Monarchie oder ein Fürstentum aus, weil die meisten Bürger, da sie befreite Sklaven waren, sich nicht wieder in Knechtschaft zwingen lassen wollten. Also einigten wir uns auf ein System, in dem das Volk einigen Einfluss auf die Regierung haben sollte. Man entschied, dass im Stadtrat Vertreter der Gilden, der Berufsgenossenschaften (man hatte sich nach längerem diskutieren auf "Gilden" statt "Zünfte" geeinigt) Arkanias sitzen sollten, nebst dem Stadtoberhaupt, welches die Spitze der Regierung bilden sollte. Belal und Drakmore arbeiteten die Verfassung aber so aus, dass sie eigentlich eher eine Diktatur des Stadtoberhauptes (welches Belal sein würde) war und wo die Magiergilde (deren Vorsitz Drakmore einnehmen würde) die größte Stimmenanzahl nach dem Stadtoberhaupt im Rat haben würde. Typisch. Aber die Bürger waren zufrieden... So wurde das ganze System festgeschrieben und von allen an den Verhandlungen Beteiligten unterzeichnet. Belal wurde einstimmig zum Exekutor, also zum Stadtoberhaupt und "Staatschef" Arkanias gewählt - auf Lebenszeit natürlich, wie auch alle Ämter prinzipiell auf Lebenszeit verliehen werden sollten. Eine blasphemische Demokratie gab es also nur noch in einigen eher unwichtigen Formalien.


"Im Namen Arkanias, hat die Gilde der Magier, repräsentiert durch den Gildenrat, Drakmore Eolan Cardin, Sohn Reto Cardins, zum Gildenoberhaupt der Gilde der Magier gewählt Er ist damit Oberster des Inneren Zirkels und offizieller Repräsentant der Interessen aller Magiekundigen Arkanias im Rat der Gilden. "Von nun an dürft Ihr, Drakmore Eolan Cardin, den Titel Praelat Arcanii Arcaniae tragen. Erhebt Euch, Euer Ehren!" Ein Gejubel erhob sich in der Menge, das Drakmore mit Stolz erfüllte. Ab diesem Augenblick war er der zweite hinter Belal, den man von nun an ja immer mit Euer Hochwürden anreden musste - zumindest in der Öffentlichkeit. Oberster des Inneren Zirkels - das war der Rat der größten Magier in Arkania, und Oberhaupt der Gilde der Magier. Das klang doch richtig großartig: Zwar wusste er schon jetzt, dass die übermächtige Stellung der Magiergilde im Stadtrat Konflikte hervorrufen wird, aber was sollte es - als Sprecher des Rates war er die wichtigste Person in der Legislative Arkanias: Wenn es ihm nicht gefiel, was die Krieger oder die Handwerker wollten, dann kam es eben nicht auf die Tagesordnung. Und wenn sie keine Ruhe geben wollen, muss der SDI wohl mal eine Untersuchung wegen Hochverrats anstrengen.

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"Die Sitzung ist eröffnet! Meine Herren, wir treffen uns heute zum erstenmal vollzählig: Bisher fehlten noch einige Mitglieder, aber zu dieser Stunde sind alle beisammen, denen die Ehre zuteil wird, Arkania im Obersten Rat der Magier zu dienen. Ich möchte, dass sich alle der Verantwortung bewusst sind, die sie tragen: Wir entscheiden über das Wohl und Weh der Magie in Arkania, doch nicht nur das - wir werden uns mit den Gilden und der Inquisition auseinandersetzen müssen, wir müssen uns unseren Namen als Stadt der Magie erst noch verdienen. Jeder von euch lehrt an der Akademie, doch jeder von euch kennt auch das Leben außerhalb unserer heiligen Hallen. Jeder von euch weiß, dass nur einige Meilen gen Osten Galottas Reich beginnt, dass Arkania im Moment noch ein Spielball auf den Wellen der großen Politik ist und noch über keinerlei Truppen verfügt. Wenn die Uhdenberger wollten, könnten sie uns vernichten! Die Sammlung des magischen Wissens ist unser Schlüssel zur Erstarkung, zur Behauptung unserer Macht , und schlussendlich zum Sieg gegen die Erben des Sphärenschänders. Wir, meine Freunde, können das Zünglein an der Waage sein, wenn sich die Vorhöfe der Niederhöllen gegen die freien Lande werfen! Hesinde mit uns! Lang lebe Arkania! " Drakmore trat aus dem Kegel dunkelblauen Lichts, das durch die kleinen Fenster aus blauem Glas in die kreisrunde Halle des Zirkels fiel und dem Ort eine düstere Atmosphäre gab. Er setzte sich nieder in dem schweren Eichenstuhl, der nur wenig prächtiger gearbeitet war als der der anderen acht. Seine Rede schien in ihnen ein tiefe Nachdenklichkeit geweckt zu haben - typisch für Magier, sie ließen sich nicht so leicht von großen Worten blenden wie das gemeine Volk. Schon sein Lehrmeister hatte das gewusst und deshalb immer größte Ehrfurcht vor den Mitgliedern der drei Gilden gehabt.

Drakmore las den Brief mit einem Schmunzeln: Eine junge Frau mit fünf Bediensteten - drei davon weiblich und zwei männlich - bittet um die Erlaubnis in Arkania ihrem Gewerbe nachzugehen - "der Rahja zuliebe." Aha, Drakmore konnte sich das Grinsen kaum verkneifen; er griff zu Feder und Pergament: "Hoch geschätzte Desideria! Mit Freuden kann ich Euch mitteilen..." Grinsend schrieb Drakmore den Brief: "...ich denke Eure Institution wird mit Sicherheit das Zusammenleben Arkanias erheblich...", er überlegte, "verschönern. Eure Bereitschaft eurem Geschäft einen Tempel der Rahja anzuschließen ist ebenfalls hocherfreulich. Ich wünsche euch eine schnelle und gefahrlose Reise und freue mich..." Er tauchte die Feder noch einmal in das Tintenfässchen.
"...auf eine persönliche Begegnung mit Euch. Die Zwölfe mit Euch, Drakmore Eolan Cardin, Praelat Arcanii Arcaniae, Beauftragter für die Einreise Fremder nach Arkania."

Auch die anderen Gilden, also die der Handwerker, Händler, Bauern und Krieger, letztere die am wenigsten einflussreiche, erhielten in den nächsten Tagen Oberhäupter, und so konnte der Stadtrat seine erste Sitzung antreten.

"Wir bestehen also darauf, dass diese lästigen Bindungen an Festpreise endlich fallen gelassen werden: Sie schaden dem freien Handel und ruinieren unsere Profite, die bei den Steuern, die Ihr verlangt, euer Hochwürden, sowieso nicht sehr hoch ausfallen. Das ist Halsabschneiderei: Glaubt ihr, Festum wäre je zu einer solchen Metropole des Handels geworden, wenn die hohen Herren jegliche Konkurrenz verboten hätten oder die Steuern so astronomisch hoch gewesen wären? Ihr versteht nicht, was für Konsequenzen..." "Nein, IHR versteht nicht, Adrion!" Belal fuhr dazwischen. "Ist euch nicht klar, welch Vergünstigungen ihr genießt? Ist es euch schon mal aufgefallen, dass die Leute keinen Heller für ihr Essen aufwenden müssen und dass der Staat alles bezahlt. Wisst ihr, wie viele der Armen, die diesen Winter nach Arkania gekommen sind, woanders verhungert wären, würde der Staat nicht für sie sorgen? Und wenn ihr euch über die Preisbindungen beschwert: Woher sollen die Leute das Geld denn nehmen? Hier in Arkania siedeln verzweifelte Leute, denen die Heptarchien Haus und Hof genommen haben! Sie erhalten ein kostenloses Dach über dem Kopf, kostenlose Lebensmittel und Geld zur Gründung einer Schenke, eines Gasthauses, einer Schmiede oder was auch immer! Ihr selbst, Adrion, ward nichts anderes als ein fahrender Händler, als ihr hier ankamt. Wo ist eure Dankbarkeit gegenüber dem, was euch zu dem gemacht hat, was ihr heute seid? Ohne Arkania wärt ihr ein Nichts, Adrion! Hätten wir euch nicht so sehr aus der Staatskasse unterstützt, würdet ihr einen kleinen Gemischtwarenladen führen und nicht das größte Kontor der Stadt besitzen! Glaubt mir Adrion, die meisten Bürger dieser Stadt freuen sich über die Steuern, die sie zahlen müssen, kriegen die meisten doch mehr als diese vom Staat zurück. Oder wüsstet ihr, dass Festum seinen neuen Bürgern ein zinsfreies Darlehen gibt, welches sie nicht zurückzahlen brauchen, solange sie Steuern zahlen? Aber gut Adrion: Verstoßt doch gegen die von uns gesetzten Preisen! Ihr wisst, was die Gesetze dazu sagen, und ihr wisst, dass euer Ruin dann vor der Tür steht - und eure Steuern, wenn sie euch zu hoch sind, dann zahlt sie doch einfach nicht - die Minen können immer neue Strafarbeiter gebrauchen. Oder seid ihr nicht bereit, dies Opfer zu bringen und geht es letzten Endes euch nicht vielleicht doch um den persönlichen Profit?"
Bis auf einige Zwischenfälle wie diesen waren die Ratssitzungen aber erstaunlich harmonisch. Und im Augenblick, da Arkania sowieso nicht mehr war als ein Dorf, gab es auch nicht viel, was der Rat zu entscheiden hatte. Da Belal und Drakmore sowieso meist dieselbe Meinung teilten, war es sehr einfach, die ihnen genehme Entscheidung durchzusetzen. Aber es war auch nicht so, dass Drakmore oder Belal absolut selbstherrlich herrschen und alle Einwände vom Tisch wischten. Es war ja klar, dass der Vorsitzende der Bauerngilde mehr Ahnung von Landwirtschaft und Viehzucht hat als Belal oder Drakmore. Deshalb wurden sehr häufig Entscheidungen im Sinne des/der Fordernden ("der Vorsitzende" der Bauerngilde war eine resolute, rotwangige Mamsell, die ebenfalls sehr diktatorisch sein konnte und vor der jeder im Rat Respekt hatte) gefällt.

Am 1.Boron 30 Hal war das Gründungsdenkmal fertiggestellt. Es handelte sich um einen 4 Schritt hohen Obelisken aus schwarzem Granit, in welchen die Namen der Stadtgründer und die Verfassung Arkanias eingemeißelt waren. Mitten auf dem Marktplatz wurde dieses Denkmal aufgestellt. Belal hatte den offiziellen Gründungstag auf den 2.Boron 30 Hal gesetzt.

Am nächsten Tag versammelte sich also alles Volk der Stadt Arkania - immerhin etwa 100 Männer und Frauen - auf dem Marktplatz. Auf einer Holztribüne standen die Gildenoberhäupter und der Exekutor. Letzterer, also Belal, trat nach vorne und hob die Hände. Das Reden, Lachen und Tuscheln der Leute verstummte. Belal hob an seine vorbereitete Rede anlässlich der Gründung zu halten:

"Bürger Arkanias, Freunde, Aventurier!
Der 2.Boron 30 Hal wird für uns in die Geschichtsbücher eingehen als ein großer Tag: Heute habe ich, als von den Gildenvertretern gewähltes Oberhaupt unserer schönen Stadt, die große Ehre, die offizielle Gründungszeremonie für Arkania durchzuführen.
Für uns geht somit ein großer Traum in Erfüllung. Frei und souverän können wir gemeinsam der unbekannten Zukunft trotzen und unser Zusammenleben gestalten. Dies wird nicht einfach sein, sicherlich werden wir oft, und gerade in der vor uns liegenden Aufbauphase, auf Probleme, Krisen und Gefahren stoßen, die uns vielleicht sogar nahezu unüberwindlich erscheinen werden. Doch eins sage ich euch: Für jedes Problem gibt es eine Lösung, und gemeinsam werden wir diese finden! Wir werden uns allem entgegenstellen, was unsere Freiheit und unser Gemeinwesen bedroht! Gemeinsam sind wir stark! Gemeinsam werden wir es schaffen!
Glaube an die Gemeinschaft, Glaube an den Staat, Glaube an uns selbst! Das sind die Grundpfeiler, auf denen wir unser Leben leben werden! Vielleicht werden wir uns manchmal beugen müssen, doch wie das Gras werden wir uns immer wieder aufrichten!
Doch hoffe und bete ich zu den Göttern, dass wir für unsere Probleme angenehme und vor allem friedliche Lösungen finden können. Denn Aventurien hat genug unter unsäglichen Kriegen, Schlachten und Verwüstungen gelitten. Blicken wir über das Gebirge, welches uns wie ein Schutzwall gen Osten schützt, sehen wir die Ausgeburten dieser unsäglichen Gewalt und Bosheit, welche solches Leid über unseren Kontinent gebraucht hat.
Diesem Bösen, dieser Dämonenbrut, welche uns alle zu verderben sucht, müssen wir uns jedoch mit allen Mitteln entgegenstellen. Erst wenn diese Ranken des Dunklen an ihren gifttriefenden Wurzeln ausgerissen sind, kann endlich wieder erlösender Frieden über die freien Lande kommen. Das ist der Moment, auf den auch wir, die Bürger Arkanias, hinarbeiten müssen. Deshalb sage ich nun Folgendes als Botschaft an alle Aventurier in den freien Landen: 'Brüder der freien Lande! Wir, die Bewohner Arkanias, stehen an eurer Seite!'
Unsere Stadt wird ihren Beitrag leisten, dessen bin ich mir gewiss. Doch ist dies nicht der wichtigste Grund für die Schaffung unserer Stadt und unseres Staates: Viel wichtiger ist, dass Arkania erbaut wurde, um uns, den Bürgern, Sicherheit, Wohnstatt und Grundlage für ein gutes Leben zu bieten. Dies ist, worum wir uns alle in harmonischer Zusammenarbeit bemühen müssen. Doch arbeiten müssen wir dafür. Sehr hart sogar. Denn ein guter Lebensstandard kommt nicht von alleine. Jeder muss sein Bestes geben, um dem Staat zu helfen, jeder nach seinen speziellen, eigenen Fähigkeiten arbeiten, Kinder, Erwachsene und Greise. Nur dann können wir sicher sein, dass unsere Nachkommen ein Leben in Sicherheit, Glück und Würde werden führen können. Und ist dies nicht ein erhabener Lohn für die Mühen?
Betrachtet den Staat nicht als entfernten, ohne euren Willen arbeitenden Mechanismus, in dem ihr Nichts seid und der euch für seine eigenen Ziele benutzt. Nein! Seht den Staat als Helfer, von dem ihr selbst, jeder Einzelne, ein Teil seid. Braucht der Staat Hilfe, so helft ihm, so dass er euch helfen kann, wenn ihr Hilfe braucht!
Im Sinne dieser Zielsetzung mögen uns unsere Nachbarn in der Welt betrachten. Sie sollen erkennen, dass Arkania ein Freund ist, egal, wie es nach außen hin erscheinen möge oder dargestellt wird. Arkania wünscht, dass Frieden und Freundschaft herrsche zwischen ihm und den Nachbarn: Dem Mittelreiche, Uhdenberg, Donnerbach, doch auch allen anderen Nationen und Völkern Aventuriens.
Bürger, eine rosige Zukunft schwebt vor uns wie eine reife Frucht am Baume.
Pflücken wir sie!

Lang lebe Arkania!"
Somit war Arkania endlich offiziell gegründet. Ein Traum war in Erfüllung gegangen...

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Markus Penz
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