ACADEMIA LIMBOLOGICA publicat
Opus veritatis scientiæque
16. Travia im 30. Götterlauf nach Hal
LXIII. Ausgabe


Der Weingeist
Zweiter Teil der Geschichte

1. Teil:
Der Hofmagus Erlwulf, seine halbelfische Kollegin Francesca, Khirva, die kleinwüchsige Boroni, und auch Chany, die Hausherrin, machen sich auf den Weg in den Keller, genauer gesagt in den Weinkeller, nachdem sie unheilvoller Geräusche gewahr wurden. Als die vier den Ort des Grauens genauer untersuchen, müssen sie feststellen, dass es sich bei dem Verursacher der Geräusche um einen irrtümlich beschworenen Weingeist handelt, der - nicht ohne zuerst für einige Verwirrung gesorgt zu haben - schließlich ins Freie gelangt.

Francesca zog ungeduldig Kreise in Erlwulfs Gemach. Schon seit über einer Sanduhr lag er nun schnarchend auf seinem Bett und schlief seinen Rausch aus. Immer wieder war die Nesetet an den Magus herangetreten und hatte versucht ihn zu wecken. Doch Rütteln und Zerren schien nichts zu bringen. 
"Jetzt reicht's mir", murmelte die Halbelfe und verschwand energischen Schrittes aus dem Gästehaus, in dem sich Erlwulfs Wohnräume befanden. Wenig später kam sie mit einem vollen Holzeimer zurück.
Das Wasser schwappte bei jedem Schritt über den Rand und hinterließ eine feuchte Spur auf den Bodenbrettern. Mit einem an die Hekátet gerichteten "Pass mal auf, wie schnell der wieder wach wird!" durchquerte sie mit großen Schritten das Schlafgemach und kippte dem betrunkenen Magus schwungvoll das frische, kalte Brunnenwasser ins Gesicht. 
Erlwulf schnappte nach Luft und schüttelte sich wie ein Hund. Mit beiden Händen wischte er sich das Wasser aus dem Gesicht, und man konnte ihm ansehen, dass er keine Ahnung hatte, wer er war oder was gerade geschehen war, doch als er wieder halbwegs bei Verstand war, blickte er in das strenge Gesicht Chanyas. "Erlwulf? Ich will eine Erklärung! Von alleine materialisiert sich kein Geist. Also? Ich überlege ernsthaft, ob ich Dir nicht das Zaubern ganz untersagen soll..."
Erlwulf stöhnte auf. Dieses Gehämmer in seinem Kopf... "Also, ich denke", und dabei blickte er schon wieder recht grummelnd um sich, "dass es daran liegt, dass der gute Residenzbrannt gleich neben dem Labor gelagert wird. Im Labor selbst werden ja magische Energien freigesetzt, und das sicherlich schon seit vielen Götterläufen, und dadurch werden solche Weingeister nach einer gewissen Zeit richtig angezogen, wie die Maus vom Speck. Soll ich noch ein wenig weiter fortfahren? Gut, also: Bei der Anwendung der magischen Kraft bleibt immer für eine gewisse Zeitspanne ein gewisser Rest an dem Ort zurück, wo sie gewirkt wurde, und Djáset sowie seine Umgebung war ja in den letzten Götterläufen - du erinnerst dich an Ujak? - Schauplatz dämonischer Manifestationen. Da mag es schon möglich sein, dass auch Geister im Dschungel zurückblieben. Ich kann dir dazu gern mal ein Fachbuch zum Durchlesen geben, das sogar in Garethi geschrieben ist." Erlwulf versuchte dabei ein freundliches Gesicht zu machen, was im aber bei dem leichten Grünstich nicht so leicht abgenommen wurde. "Du Chany, tust du mir einen Gefallen? Lass mich jetzt hier liegen und schlafen. Kein Lärm, keine militärischen Übungen vor dem Fenster, keine Musik... Nur schlafen, schlafen, schlafen..."
Francesca konnte sich nicht mehr zurückhalten: "Das fällt Dir jetzt auch schon ein, wie? Vielleicht hättest Du Dir da eher Gedanken drüber machen sollen! Ich fasse es nicht... und alles nur wegen dieses bescheuerten Fusels. Weißt Du was? Du kannst Dein Gesöff woanders brauen, aber nicht mehr hier. Und mit hier meine ich nicht nur das Labor, den Turm oder die Insel, mein Freund! Jetzt guck bloß zu, dass Du auf die Beine kommst und Deinen Kram aus dem Labor räumst!" Die Halbelfe schäumte vor Wut. 
"Gemach, gemach, Franzi...", meinte Chany und legte ihrer Freundin die Hand auf die Schulter. "Jetzt brauchen wir zunächst mal einen Eimer kaltes Wasser. Alrik!"
Wie üblich bemerkte niemand das Hereintreten des Dieners, der nach dem üblichen "Sehr wohl?" umgehend einen Eimer kalten Wassers besorgte und ihn Chany in die Hand drückte, ehe er wieder verschwand. Mit einem Grinsen drückte sie diesen Francesca in die Hand. "Das darfst Du machen, Franzi, das hilft Dir, Dich zu beruhigen." 
"Danke, mit Vergnügen!" erwiderte Francesca und nahm Chany den Eimer aus der Hand. Erneut ergoss sich ein Schwall Wasser über den schon völlig durchnässten Magus. Langsam bildeten sich Pfützen unter der Bettstatt, und kleine Bächlein zogen ihre Bahnen durch das Zimmer. 
Nachdem Erlwulf dann also auf eine eher unangenehme, kalte und nasse Weise wieder zu den Lebenden zurückgerufen wurde, herrschte Chany ihn an: "Also, Du sagst, wenn Du zauberst, bleibt 'Restenergie', hm? Und diese formiert sich dann zu Geistern oder zieht diese an, richtig? Dann ist das Problem doch ganz, ganz einfach zu lösen: Ich verfüge für Táyarret ein Zauberverbot, bis sich diese Ujak-Nachwirkungen gelegt haben. Es ist ja schauderhaft mir vorzustellen, wenn Deine Lichtzauber irgendwann einen Dämon herbeizitieren! Und wer hat dann wieder den Ärger mit dem Vieh? Ich! Dauernd muss ich mich mit solchen Tentakelbestien schlagen. Das macht absolut keinen Spaß! Gar nicht auszudenken, wenn die Inquisitionszicke das mitbekommt! Möchtest Du dieser Hexe den Vorfall erklären, Erlwulf?"
Khirva seufzte: "Wenn mich mal jemand von Euch zu Wort kommen lassen könnte... Liebe Güte, hier geht es gerade um Wichtiges. Könntest du mir bitte einen einzigen plausiblen Grund nennen, warum ich Ranebet Dhana nicht informieren sollte. Es geht hier um eine Geistererscheinung, Erlwulf. Das ist kein Spaß. Da redest du vollkommen freiherzig über Restenergie und dämonische Manifestationen. Ist dir überhaupt klar, was das bedeutet? Ja? Hast du denn nicht den Funken von Verantwortungsgefühl in deinem Leibe? Wenn du all das wusstest, wie konntest du dann an dieser Stelle noch immer magische Experimente durchführen?" Die sonst so gelassene Priesterin gestikulierte aufgeregt mit ihren schlanken Händen, und in ihrem Gesicht war echte Besorgnis zu lesen. "Ich hatte bisher immer gedacht, dieser Residenzbrannt sei auf rein alchimistische Weise hergestellt - jetzt erfahre ich, dass du in der Tat dafür arkane Kräfte benötigst. Ich fasse es einfach nicht. Gut, ich werde jetzt einige Augenblicke hier verweilen und mich beruhigen - danach werde ich die Ránebet verständigen müssen..."
Chanya war bleich geworden. Sie legte den Arm auf Khirvas Schulter. "Moment, Moment, Liebste. Das würde ich mir gut überlegen! Im Moment ist ja nichts weiter passiert! Aber wenn diese Inquisitorin hier aufläuft, werden Dinge passieren! Dinge, die sich auf das ganze Reich auswirken können! Khirva, ich bitte Dich inständig, überlege Dir das gut! Manchmal muss man das Protokoll nicht einhalten, besonders dann nicht, wenn dadurch mehr kaputtgeht als gekittet werden kann! Erlwulf und Franzi werden hier in der Umgebung das Zaubern lassen, ich werde ein Magieverbot verhängen, und dann kann ja nichts mehr passieren! Ich bitte Dich inständig, Liebste, tu nichts, was wir alle bereuen würden!"
Francesca hatte sich während des Wortwechsels einen Stuhl herangezogen, sich rittlings darauf gesetzt und das Kinn auf die Hände gestützt. Nachdenklich folgte ihr Blick den Wasserläufen, die unter des Magus Bett hervorkrochen. Als die Hekátet ihre eindringliche Rede beendet hatte, blickte sie zu Khirva: "Ich denke Chany hat Recht. Wenn die Inquisitorin hier erst mal einläuft und zu ermitteln beginnt, dann wird sie keinen Stein auf dem anderen lassen. Ich will damit keinesfalls sagen, dass ich billige, was Erlwulf hier veranstaltet hat. Aber... wie soll ich mich ausdrücken. Hm, lass es mich so formulieren: Wir haben die Sache noch rechtzeitig in den Griff bekommen, es ist kein Schaden entstanden, niemand hatte darunter zu leiden, und wir haben alle Möglichkeiten zu verhindern, dass ähnliches erneut geschieht." Dann wanderte Ihr Blick zu dem noch reichlich bedüdelten Magus, der triefend auf dem Bettrand saß. Wesentlich unfreundlicher fuhr sie ihn an: "Vielleicht magst Du Dich auch endlich äußern, Erlwulf? Schließlich hast Du uns den Schlamassel eingebrockt?"
Khirva blickte Francesca und Chanya ernst an. "Schön, Ihr sagt, es sei kein weiterer Schaden entstanden, aber das wisst Ihr nicht. Wisst Ihr, was dieser Geist gerade tut? Möglicherweise hat ihn ja auch eine der Djáseter gesehen und ist gerade auf dem Wege zur Ránebet? Versteht doch bitte, dass ich nicht einfach nur Khirva sondern vor allem Ordensschwester bin. Ich möchte kein zweites Khefu."
Chanya schaute besorgt. "Darum geht es nicht! Du weißt selbst, was für eine Person diese Inquisitorin ist. Du weißt auch, was sich aus dieser Sache entwickeln kann, wenn Du sie einschaltest. Mit Vielleichts kommen wir nicht weiter. Und wenn Du die Ránebet holst, wird es eine Katastrophe geben, das weißt Du auch, Liebste. Ja, vielleicht wurde das Wesen gesehen, vielleicht aber auch nicht. Und wenn nicht, dann wird niemand jemals etwas davon erfahren. Ich war noch nie bereit, Befehle und Protokolle kritiklos hinzunehmen. Wenn wir nun hier das tun, was wir tun müssen, ist die nächste Auseinandersetzung unvermeidlich. Für mich ist der Preis eines Regelverstoßes auf alle Fälle angemessen, wenn wir damit den brüchigen Frieden des Reiches erhalten können. Ich habe es satt, mir von diesen dämlichen Kirchen-Fundamentalisten auf der Nase herumtanzen zu lassen! Frau muss nicht so sein wie diese Dhana, es kann doch auch Menschen geben und nicht nur verrückte Blutsäuferinnen! Ich werde morgen gleich einen Brief an die Eminenz schreiben, in dem ich die Abberufung dieses Geschöpfes bitten werde. Ihre Anwesenheit hier in Djáset bedeutet eine ständig wachsende Kriegsgefahr! Die Eminenz soll jemand anderes schicken, eine Person, die persönliche Animositäten nicht in ihre Arbeit einfließen lässt."

Khirva schaute Chanya entsetzt an: "Bitte, jetzt fang du nicht auch schon wieder an. Gerade jetzt, wo sich die Wogen einigermaßen geglättet haben. Sicher, die Ránebet ist schwierig, aber bisher ist nichts vorgefallen, was ihre Abberufung rechtfertigen würde. Bleib doch bitte sachlich. Schließlich waren es nur Vermutungen. Lass dich doch nicht davon verleiten, aufgrund von reinen Mutmaßungen Maßnahmen zu ergreifen, die wieder nur zu neuen Feindseligkeiten führen. Und ich will offen sein: Du sagst, Ránebet Dhana ließe persönliche Animositäten in ihre Arbeit einfließen. Nun, davon habe ich bisher noch nichts verspürt - sie ist zu allen gleich eklig. Bei dir hingegen verspüre ich diese Unterscheidung sehr, sehr deutlich."

Erlwulf setzte nun zum Sprechen an. " Langsam, bitte langsam. Gebt mir doch bitte mal das Buch dort." Erlwulf zeigte auf ein abgenütztes Büchlein, das auf einem Lesepult lag. Nachdem Chany ihm das Buch gereicht hatte, blätterte der immer noch recht nasse Magus darin und schlug eine der Seiten in der Mitte auf. "So, dieses Werk hier ist eine Abschrift eines Rohalschen Buches, also durchaus wertvoll und mit Sicherheit von großer Richtigkeit, was den Inhalt betrifft. Es ist eine recht allgemein gehaltene Übersetzung, also ohne Schnörkel, Redewendungen und anderem Beiwerk. Das Buch habe ich vorhin auch zur Hilfe genommen, weil ich mich, und das gebe ich gerne zu, mit Weingeistern nicht auskenne. So, wo haben wir es denn..." Erlwulf suchte nun schnell ein bestimmtes Kapitel. "Ja, hier steht es. Vom Weingeiste, seiner Form, seinem Verhalten, den Gefahren, die von ihm ausgehen." Erlwulf blickte kurz in die lauschende Runde.
"Vom Weingeiste: Der Weingeist ist eine recht seltene Form einer Erscheinung. Anders als die meisten Geister handelt es sich bei ihm nicht um eine gefangene Seele, sondern um eine geistartige Materialisierung, hervorgerufen von gebundener oder freier magischer Restenergie in einem geringen Umfeld in Verbindung größerer alkoholischer Präsenz. So, was sagt uns das? Genau! Ich braue bisweilen im Labor Tränke, mit Unterstützung der Magie. So lassen sich Heiltränke, ein Krafttrunk und andere nützliche Dinge eben mal nur herstellen. Gleich neben dem Laborraum ist Francescas gut gefüllter Weinkeller, in dem auch der gute Residenzbrannt lagert. Chany wird sich gerne daran erinnern, dass ich erst vorgestern die Herstellung von 30 Schank beendet habe, die sie für ihre militärischen Zwecke noch benötigt. Der Residenzbrannt wird übrigens ohne Magie hergestellt, ich habe nie gesagt, dass ich den verzaubern muss."
Dabei blickte Erlwulf nun wirklich mit einem ehrlichen Blick zu Khirva, die ihm aufmerksam gelauscht hatte. "Gebundene magische Energie oder Kraft gibt es zum Beispiel in meinen magischen Tränken, aber auch Salben, wie ich ja schon sagte. Restenergie ist so etwas wie die Fahne bei einem Zecher, die man noch nach ein - zwei Stunden riechen kann. Damals in Tuzak, wo ich meine Ausbildung zum Magus erhielt, hat man festgestellt, dass Restenergie je nach Größe oder Mächtigkeit des oder der angewandten Zauber zurückbleiben kann. Das mag für nur wenige Augenblicke, Stunden oder sogar Tage sein. So, und nun mal ganz ehrlich: Ihr wisst doch ganz genau, dass ich hier im Labor oder in Djáset keine Beschwörungen, Beherrschungszauber oder ähnliche anstrengende Zauber wirke, oder jemals nur vom Gedanken her anwenden werde. Es gibt einige Zauber, die ich ablehne und niemals lernen werde. Darüber brauchen wir nicht weiter zu reden, denke ich?"
Erlwulfs Kopf war nun fast wieder frei von dem Druck, und nun wirkte er auch wieder sehr wach. "So ein Weingeist bildet sich also aus etwas magischer Restenergie und hat eigentlich nur eines vor, Alkohol zu sich nehmen. Und das so viel wie nur möglich. Da kommt ihm der Residezbrannt natürlich wie gerufen, und schwupps, ist er schon im Fass und fängt zu saufen an. Dadurch wird er größer und größer, bis er das Behältnis ganz ausfüllt. Nun quetscht er sich wieder raus und schwebt von dannen. Wird er dabei nicht gestört, mag er natürlich für reichlich Unruhe, Wirbel, Schrecken, und Betrunkene sorgen, bis er sich wieder auflöst. Wie das gehen soll? Erkläre ich euch gerne. Einen Moment bitte..." Erlwulf blätterte wieder ein - zwei Seiten weiter. "Hm... Ja, hier steht es schon. Ein Weingeist besteht nach der Aufnahme von Alkohol jeglicher Art praktisch nur aus diesem. Berührt ein Lebewesen, egal ob Mensch, Tier oder Drache diesen nun, setzt der Geist den Alkohol schlagartig und konzentriert frei. Je nach Berührungsdauer führt das zum leichten Schwips, Rausch, Vollrausch oder bis zur Alkoholvergiftung. Wurde dem Weingeiste seine berauschende Kraft genommen, schrumpft dieser wieder und stellt schon nach kurzer Zeit keine Gefahr mehr dar. Zumeist genügt es,! diesen vom Alkohole fern zu halten, und schon löst er sich auf wie die Seifenblase in der Luft."
Erlwulf blickte sich noch einmal recht sorgenvoll um. "Gut, ich habe nur einen Teil über den Weingeist selbst gewusst, aber ich versichere euch, was ich hier vorgelesen habe, stimmt wirklich. Wo verschwand der Geist, oder besser das, was von ihm übrig war? Im Dschungel. Schön, also hat er sich nun längst aufgelöst, da er dort keinen Alkohol finden wird." Nun wendete er sich Francesca zu. "Soll ich nun wirklich das Labor räumen?"

Francesca schaute den Magus zweifelnd an. "Na, Du hast Probleme. Das mit dem Labor ist ja nun wirklich sekundär, abgesehen davon, dass diese Geistererscheinung ja tatsächlich im Zusammenhang steht mit den Auswirkungen arkanen Wirkens. Und eines ist klar. Der Weinkeller bleibt, wo er ist. Weißt Du, Deine Erklärung mag vielleicht uns, hm... sagen wir mal ausreichen, aber ich denke nicht, dass die Inquisition sich so locker abspeisen lässt. Also sollten wir uns einig werden, was wir nun tun." Fragend blickte sie in die Runde. 
Khirva blickte noch immer sehr zweifelnd. "Sag mal Erlwulf, du sagst, der Geist würde von magischer Restenergie angezogen. So. Und beim Herstellen von Residenzbrannt entstünde dieselbe. So. Nun, aber magische Restenergie kann doch nur entstehen, wenn auch magische Kräfte eingesetzt werden, nicht? Und gleichzeitig sagst du, du würdest sie nicht anwenden. Wo soll sie denn bitte schön herkommen? Ich weiß, dass beim Brauen von magischen Tränken auch arkane Energie von der Brauerin eingesetzt wird. Geschieht das bei dir so quasi von allein? Erlwulf, du widersprichst dir. Ein wenig Ahnung habe ich auch von der Magie, da gab es mal so eine junge idealistische Priesterin, die ein Gremium zur Kontrolle von Magie einrichten wollte." Khirva seufzte kurz. "Nun, jedenfalls klingt das, was du dort vorgelesen hast, seltsam. Dieser Weingeist scheint mir eher ein Elementarwesen denn ein Geist zu sein - warum Magister Rohal dies nicht schreibt, ist mir ein Rätsel, aber möglicherweise durch einen Übersetzungsfehler zu erklären - und dies wiederum ist wohl wahrlich kein Grund, die Inquisition zu alarmieren. So, Magister, und jetzt nehme ich dieses Rohals-Werk mal mit, werde für einige Tage damit verreisen und dir demnächst eine angemessenere Übersetzung zukommen lassen. Wie wäre es außerdem mal mit einer Nachprüfung an der Akademie zu Khefu?" Mit diesen Worten nahm sie Erlwulf den Wälzer aus der Hand und verließ sichtlich genervt das Schlafgemach des Magiers.
Erleichtert ließ sich Chany auf einen Stuhl plumpsen. "Puh, das war knapp. Auch wenn Khirva das missversteht, was Du gesagt hast, Erlwulf, denn so wie ich es verstanden habe, hast Du nicht bei dem Brannt gezaubert - ansonsten bringe ich Dich persönlich um, wenn Du mich verzaubertes Zeug hast trinken lassen - sondern eben in diesem Labor, worauf diese Restmagie entstand, ja? Das heißt, das Problem wäre gelöst, wenn hier nicht mehr gezaubert würde. Du kannst weiter brauen, aber es würde sich keine Restmagie halten, die sich dann irgendwie manifestieren wird. Ich werde ein Magieverbot für Táyarret aussprechen, und das war's dann."
"Danke Erlwulf", meinte Francesca resigniert. "Die ganze Sache hätten wir uns sparen können, wenn Du über solche Dinge ein wenig eher nachgedacht hättest. Wie ihr beide Euch denken könnt, bin ich von einem Magieverbot alles andere als begeistert, aber angesichts der Umstände und der Gefahren, die noch immer hier lauern, sehe ich die Notwendigkeit eines solchen ein." Dann wandte sie sich an Chanya: "Mir wär's allerdings lieber, wenn die offizielle Verlautbarung zu diesem Magieverbote von mir stammen würde. Ich werde mich gleich darüber machen. In Ordnung?"
Chany schaute ihre Freundin ernst an. "In Ordnung. Bitte versteht, dass ich nicht anders entscheiden kann. Wir haben heute den Beweis dafür gesehen, dass es sehr gefährlich sein kann, hier in der Nähe von Ujak zu zaubern. Ich will euch nicht schikanieren, aber ich habe eine Verantwortung für die Menschen hier. Deshalb werde ich auch der Eminenz nicht schreiben. Khirva hat recht, das könnte nur wieder die Wogen aufwühlen. Obwohl, irgendwann wird die Auseinandersetzung kommen, und dann werde ich nicht wieder vorbeischießen. Das Magieverbot muss solange aufrechterhalten werden, bis diese Ujak-Sache wirklich vergangen ist. Was meinst Du, Erlwulf, wie lange das dauern wird?"
"Eine gute Frage... Da müsste man nun umfassende Nachforschungen anstellen, die Umgebung von Ujak absuchen und den Dschungel durchkämmen. Dafür braucht es fähige Leute und Magiekundige. Es ist eben so, dass Erscheinungen, Geister und anderes meistens nur mit Magie geortet werden können. Solche Orte und Stellen lassen sich aber auch mit Bannzaubern belegen, damit sich dort nichts mehr manifestieren wird. Ich könnte schon so eine Expedition zusammenstellen, eine Liste der benötigten Ausrüstung erstellen, das ist gar kein Problem. Vielleicht finden wir ja auch noch ein paar tüchtige Helfer?" Erlwulf wirkte nun wieder recht tatendurstig und hatte die letzten Anzeichen des Rausches abgelegt. Lediglich seine nasse Gewandung gab von den Ereignissen tropfende Kunde...

Fortsetzung folgt...

Reaktion auf diesen Artikel schreiben...


Publiziert von der Academia Limbologica
Der Opus im Schwarzen Limbus
email 
Markus Penz
(16.4.2000)
Eigene Artikel sind sehr willkommen!
*   eigenen Artikel übermitteln... (HTML, DOC, Rein-Text, etc.)
&  Das Archiv des Opus, Opus-Archiv des Curriculum Salamandris

Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels
Österreich